Chacra Sol
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11. Mai 2026
Was heißt eigentlich "tranquilo "
"TRANQUILO " Uruguay in drei Worten? Klima. Menschen. Tranquilo. Und alle drei haben einen Haken. Den verrät dir kein Reiseprospekt. Das Klima. Im Prospekt: „Ganzjährig mild.“ In echt: Vier Jahreszeiten an einem Tag. Und der Winter ist tückisch. Nasskalt und hartnäckig. Du hast 25 Grad und Sonne im Juni. Denkst: T-Shirt-Wetter! Zwei Stunden später: Sturm, 8 Grad, Regen peitscht waagerecht. Viele Häuser? Auf Sommer gebaut. Dünne Wände, Einfachverglasung, keine Heizung. Dann sitzt du im Juni mit Daunenjacke im Wohnzimmer. Drinnen 12 Grad. Draußen 11. Aber Moment. Bevor jetzt alle denken, wir leben hier in Bruchbuden: Es gibt sie. Die guten Häuser. Mit Doppelverglasung. Mit anständiger Dämmung. Mit Heizung, die diesen Namen verdienen Die kosten halt. Und die musst du finden. Oder selber bauen. Standard ist das nicht. Aber möglich? Ja. "Und diese Häuser findet man bei uns". Nur: Der uruguayische Winter bleibt trotzdem nass. Auch im gedämmten Haus. Der kriecht dir in die Knochen. Mein Tipp nach 21 Jahren? Für den Winter: Heizdecke im Bett😜👌 Und das ist auch das Erste, was der Uruguayer dir hier empfiehlt. 🥳 Die macht aus „bibbernd einschlafen“ ein „tranquilo durchschlafen“. Die rettet dir die Nächte. Und deine Laune. Die Menschen Im Prospekt: „Herzlich und offen.“ In echt: Ja. Sind sie. Aber anders als du denkst. Der Handwerker sagt „Mañana“. Das heißt nicht „morgen“. Das heißt „nicht heute“. Der Nachbar sagt „Ya voy“. Das heißt nicht „ich komme sofort“. Das heißt „ich hab’s gehört“. 🫣😁 Niemand hat Stress. Niemand hat Eile. Dein Paket kommt, wenn es kommt und deine Post auch. Am Anfang denkst du, die verarschen dich. Nach 21 Jahren weißt du: Die verarschen dich nicht. Die leben einfach🤗 Wenn du Hilfe brauchst, stehen sie da. Alle. Mit Werkzeug, mit Essen, mit Zeit❣️ Aber wehe, du hast es eilig. Dann bist du hier falsch.👋 Und das Wort, das alles erklärt: Tranquilo. Das steht nicht im Wörterbuch. Das ist kein Wort. Das ist ein Lebenszustand!!! Tranquilo ist, wenn der Strom ausfällt und keiner flucht. Kerze an, fertig. Tranquilo ist, wenn der Bus drei Stunden Verspätung hat und niemand meckert. Man quatscht halt länger. Tranquilo ist, wenn dein Haus nicht absäuft, weil du in Dämmung investiert hast. Du sitzt trotzdem mit Kaffee da, wenn draußen der Sturm tobt. Weil du weißt: Irgendwas ist immer. Die Europäer kommen her und hören „tranquilo“. Sie denken: „Geil, chillen!“ Was sie hören: „Entspannt.“ Was gemeint ist: „Reg dich ab. Es ist, wie es ist. Und es wird auch wieder.“ Uruguay ist nicht entspannt. Uruguay ist "tranquilo"! Das ist ein Unterschied. Entspannt ist, wenn du im Liegestuhl liegst. Tranquilo ist, wenn der Liegestuhl zusammenbricht, du auf dem Boden landest, und trotzdem lachst. Oder wenn er hält, weil du einen guten gekauft hast, und du trotzdem lachst, weil der Nachbar runtergefallen ist und er aus vollem Herzen mit dir lacht... Das Klima macht dich demütig. Die Menschen machen dich geduldig. Und "tranquilo"? Das rettet dir hier dein Popöschen Jeden Tag. Egal ob dein Haus leckt oder nicht. Wer das nicht kapiert, der bucht nach zwei Wintern den Rückflug. Wer es kapiert, der bleibt. 21 Jahre.... Oder länger. Mit Kaffee. Mit Heizdecke im Bett. Und mit Leuten, die Zeit haben, wenn’s drauf ankommt. Tranquilo eben. Ich liebe Uruguay 🌞🇺🇾🌞

8. Mai 2026
Die 327-Euro-Ablenkung
Ein Roadtrip zwischen Raumschiff Enterprise und der Realität Es war einer dieser herrlichen Tage in Uruguay. Wir, seit 21 Jahren hier zu Hause, machten uns auf den Weg Richtung Chuy zur brasilianischen Grenze. Das Gefährt: Unser schickes Elektroauto, das innen aussieht wie die Kommandozentrale des Raumschiffs Enterprise – alles leuchtet, ist digital und gleitet so lautlos dahin, dass man die Geschwindigkeit kaum spürt. An Bord hatten wir natürlich unseren treuesten Begleiter: „Batze“. So nennen wir liebevoll die Waze-App. Wir sind eigentlich absolute Profis und empfehlen „Batze“ sogar jedem unserer Mieter, denen wir unsere Mietwagen anvertrauen. Wir wissen schließlich ganz genau, wie extrem sensibel die Blitzgeräte hier in Uruguay mittlerweile eingestellt sind und wollen unsere Gäste vor teuren Überraschungen bewahren. Mein Mann saß am Steuer, den Blick fest auf das riesige Display gerichtet, Batze fest im Griff. Eigentlich unbesiegbar. Doch dann geschah es. Man sollte meinen, nach 37 Jahren Ehe hätte man sich alles erzählt🤔. Aber scheinbar besitze ich immer noch diese magische Superkraft: Die Kunst der perfekten Ablenkung.😁 Ich erzählte etwas, wir lachten, und schwupps – war die Aufmerksamkeit nicht mehr bei den digitalen Warnungen von Batze oder den Anzeigen der Kommandozentrale, sondern bei mir. ZACK! Ein greller Blitz von hinten, unterbrach die Idylle. Die uruguayische Post war diesmal schneller als das Licht. Nur zwei Tage später lag der Brief vom Ministerio de Transporte y Obras Públicas im Kasten. 21 km/h zu schnell. 327 Euro. Ganz ehrlich? In dem Moment haben wir absolut nicht gelacht. Das tat richtig weh. Das ist viel Geld, über das man erst mal kräftig schlucken muss. Aber wir haben uns gesagt: Wir können uns jetzt ewig und lange darüber ärgern oder wir verbuchen das Ganze unter „ferner liefen“. Da das Ministerium bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen einen Rabatt von 30 % gewährt, haben wir die 100 Euro Ersparnis mitgenommen, das Thema abgehakt und können nun wieder darüber scherzen: Mein Unterhaltungswert liegt bei exakt 15,57 € 😄pro Kilometer zu viel – ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass wir nach 37 Jahren immer noch nicht im Schweigen nebeneinander sitzen!🤪

8. Mai 2026
Karotten -Power &Pescetarier-Glück
Unsere 20 Jahre im „Fleisch-Land“ Uruguay. Stellt euch vor, wir schreiben das Jahr 2005. Wir packen die Koffer, schnappen unsere zwei Kinder und wandern aus. Das Ziel: Uruguay. Das Land der unendlichen Weiten, der Herzlichkeit und... des Fleisches. Wir kamen als überzeugte Vegetarier an – quasi mit der Tofu-Wurst zur Messer-Schlacht. Wenn wir damals sagten: „No como carne“, ernteten wir Blicke, als kämen wir von einem anderen Stern. „Gar kein Fleisch? Auch kein Hühnchen?“ – „Nein.“ – „Aber ein bisschen Schinken ist doch okay, oder?“ Zeitsprung ins Heute: Die nächste Generation hat mittlerweile kapituliert. Unsere Kinder haben uruguayische Partnerinnen gefunden und die Liebe zum traditionellen Asado entdeckt. Tradition schlägt Erziehung – die Liebe geht eben doch durch den Magen! Und wir? Mein Mann und ich sind seit stolzen 40 Jahren fleisch frei. Vor fünf Jahren haben wir ein kleines „Körper-Update“ gemacht: Weil unser Organismus nach Omega-3 verlangte, darf seitdem ab und zu frischer Fisch auf den Tisch. Ansonsten bleiben wir unseren Prinzipien treu. Und wer glaubt, in Uruguay gäbe es nur Steaks, der war noch nie auf den Märkten! Von Colonia bis nach Punta del Este findet man überall an der Küste wöchentliche Märkte (manchmal sogar zweimal die Woche!), die wahre Gemüse-Paradiese sind. Diese Farbenpracht, die Vielfalt an Ständen und die tollen Läden mit Veggie-Spezialitäten – es ist alles da, was das Herz begehrt. Mein Fazit nach zwei Jahrzehnten: Man muss nicht dasselbe essen, um das gleiche Glück zu teilen. Während die Kinder die lokale Grill-Kunst feiern, genießen wir unser Markt -Gemüse und unseren Fisch. Wir sind glücklich, gesund und haben bewiesen: Man kann im Land der Gauchos wunderbar leben, auch wenn man das Rind lieber auf der Weide als auf dem Grill sieht.🙏😁 ¡Buen provecho! – egal, was bei euch heute auf dem Teller landet.🌞🇺🇾🌞

26. April 2026
Willkommen auf unserem Blog – Geschichten aus Uruguay
Es war ein ganz normaler Morgen auf der Chacra Sol, als ich beschlossen habe, diesen Blog zu beginnen. Die Pferde grasen ruhig auf der Weide, die Sonne geht über den Feldern auf, und irgendwo singt ein Vogel, den ich nach 20 Jahren noch immer nicht beim Namen kenne. So ist das Leben hier – voller kleiner Wunder, die man erst entdeckt, wenn man langsamer wird. Uruguay hat mich verändert. Nicht dramatisch, nicht über Nacht – sondern Schritt für Schritt, Jahreszeit für Jahreszeit. Die Luft riecht anders. Die Stille klingt anders. Und die Menschen lächeln, als hätten sie ein Geheimnis. Auf diesem Blog werde ich Geschichten teilen. Von den Tieren, die unser Leben bereichern. Von den Abenden am offenen Feuer. Von den Gästen, die als Fremde ankamen und als Freunde gegangen sind. Und von allem, was es bedeutet, an einem Ort zu leben, der sich von Anfang an wie Heimat angefühlt hat. Ich freue mich, dass du dabei bist. Herzlich, Susanne
